Innsbrucker Stadtidioten
08.06.2010 | Von ChristophSie gehören zu den Städten wie Souvenirshops und Sights. Nur dass niemand kommt sie zu bestaunen und sie auch nicht im Reiseführer stehen. Zu unrecht teilweise, der Unterhaltungswert eines echten Stadtnarren kann höher sein als der des Goldenen Dachl das man sich in brütender Hitze mit 1000 lärmenden Italienern teilen muss. Tragische Gestalten eigentlich, mit genügend Zynismus gesehen kann man sich aber schon über diese Figuren schmunzeln. Die Stadtidioten, nicht die Italiener.
Johannes der Täufer, alias der wahnsinnige Straßenkehrer
Der gute Mann ist Straßenkehrer in der Gegend rund um mein Büro. Stets hat er Kopfhörer auf. Wahrscheinlich um sein eigenes Geschimpfe und Geschrei nicht zu hören. Wie ein Irrer brüllt er mal wüste Beschimpfungen einem Passanten hinterher, mal predigt er vom Untergang der Welt. Ganz im Stile von Johannes dem Täufer. Nur hatte der keine orange Straßenkehreruniform an um seinen Wahnsinn damit noch zu unterstreichen. Macht aber Spaß Passanten zu beobachten die Johannes nicht kennen und sich plötzlich mit seiner apokalyptischen, lautstark vorgetragenen Sicht der Welt konfrontiert sehen.
Touretta, die +*”§*”!?%
Eine andere Favoritin die regelmäßig um den Titel Wahnsinnige des Jahres in Innsbruck ganz vorne mitkämpft ist Touretta. Eigentlich gemein sich darüber zu amüsieren, aber sit ist einfach lustig, die ältere Dame mit Tourette Syndrom. Tourette Syndrom? Die Krankheit bei der man wahllos den Menschen wüsteste Beschimpfungen entgegenschleudert. Nicht lustig für den Betroffenen, auch nicht lustig für den Beschimpften, lustig aber wenn man die Dame kennt. Sie wohnt irgendwo in Amras. Ich habe sie zum ersten Mal vor ziemlich genau 8 Jahren gesehen. Wie ich grad so an der Straßenbahnhaltestelle stehe fährt sie mit dem Rad vorbei und mault mich an: “Du *!###!/&%” Den genauen Wortlaut sollte man in einem ehrbaren Blog nicht wiedergeben. Immer wieder treffe ich sie seitdem, wie sie mit ihrem klapprigen Fahrrad durch die Stadt cruist und ahnungslose Passanten beschimpft. Richtig lustig: wenn die Leute glauben es mit ihr aufnehmen zu können und zurückmaulen….
Dog Man
Klingt wie ein Superheld, ist er aber nicht. Dog Man ist seit mittlerweile über 20 Jahren Teil meines Lebens. Unfreiwillig, und er weiß es auch nicht. Jeden Tag geht Dog Man seit Jahrzehnten mit vielen vielen Hunden spazieren. Ob es seine sind, man weiß es nicht. Wie alt ist Dog Man. Mittlerweile so um die 40 schätze ich, aber das ist bei so viel frischer Luft schwer zu sagen. Warum ist Dog Man so besonders? Nun ja, er redet ununterbrochen mit sich selbst und seinen Hunden, schneidet dazu Grimassen und hat stets einen Ghettoblaster um den Bauch gebunden aus dem lautstark Volksmusik ertönt. Die Erfindung von Walkman, Discman, Mini Disc und MP3 Player ist spurlos an ihm vorübergegangen. Ganz großes Kino.
Marathona
Mann – Frau – Mann – …. also zum Abschluss noch eine Weibliche Stadtidiotin. Schon gemein, die Dame ist wirklich in psychiatrischer Behandlung, von dort kenne ich sie auch seit meiner Zeit bei der Innsbrucker Rettung. Marathona nenne ich sie, weil sie ununterbrochen in Bewegung ist. Nicht schnell, aber stetig. Die kleine, ältere Frau redet etwas weniger als Nichts, geht aber ununterbrochen hin und her und auf und ab. Die schlimmsten Minuten des Tages sind die, wenn sie im Rettungswagen den jemand ruft weil sie mal wieder irgendwohin eingeliefert werden muss und SITZEN muss.
OK, ich merke gerade wie gemein das ganze ist. Im Grunde genommen ist es aber so. Diese vier sind nur die Spitze des Eisbergs des täglichen Wahnsinns im Herz der Alpen. Hinter ihnen folgen 129.996 Choleriker, die an schlechten Tagen, Hitze, Föhn, Stau, mindestens genauso wahnsinnig sind.

