Ab in den Süden

19.07.2010 | Von Gottfried
Kategorie: Gast-AutorInnen

Tolles Wetter, Sommer, Sonne, heiße Tage, das bedeutet raus aus dem Grau der Stadt und hinein ins ländliche Grün. Aber wohin? Ich hätte da einen fast unentdeckten Landstrich für euch, den ich gerne vorstellen möchte. Er liegt nur zwei Stunden von Wien entfernt. Gleich hinter dem Wechsel bei Ilz links abbiegen und schon seit ihr im steirischen Vulkanland angelangt. So schnell geht das!
Doch zunächst etwas Hintergrundinfo über das Gebiet: Ganz unten rechts im süd-östlichen Teil der Steiermark liegt sehr unscheinbar das Vulkanland beginnend von Bad Radkersburg aus bis fast hinauf nach Gleisdorf.

Panoramabild mit Sicht über das weiläufige Vulkanland

Früher galt es hier als ausgestorben, tote Hose, Abwanderung war in, denn der Grenzregion wurde jegliche (wirtschaftliche) Kompetenz und Zukunftsperspektive abgesprochen. Zu kleinstrukturiert sei es, nicht geeignet für die moderne Marktwirtschaft.

Aber, und ich sage euch, die Zeiten haben sich geändert und es ist ein kleiner Hype entstanden, ein regionaler Hype der sicher in Österreich seinesgleichen sucht. Doch was genau ist passiert? Sehr intensiv und erst seit wenigen Jahren hat das Herz der Menschen hier angefangen wieder für die Region zu schlagen. Die Marke, der Begriff Vulkanland war geboren. Schlussendlich haben sich drei Kerngebiete gebildet, die hier (vor)gelebt werden:  die Kulinarik, das Handwerk und die Lebenskraft.

Sonnenaufgang im Vulkanlang
Das Vulkanland ist die Kulinarik-Hochburg in Österreich (und ich übertreibe nicht). Das Klima ist warm und mild. Es gibt ausreichend Niederschläge. Es wächst und gedeiht praktisch alles. Wie könnte man es besser beschreiben als ein Journalist aus New York meinte er sei im Garten Eden gelandet. Hier war es schon immer alles kleinstrukturiert, Massenproduktion nie so richtig das Allheilmittel, deshalb gibt es eine immense Vielfalt an hochwertigen bäuerlichen Produkten, die es zu entdecken gibt.

Das Vulkanland ist zu “slow” um vom Massentourismus überspült zu werden. Ramba Zamba findet man hier wenig, echte Lebenskraft deshalb aber schon. Großstadtlärm und Feinstaub gibt es praktisch nicht. Da sagen sich schon eher Fuchs und Hase gute Nacht (das kann auch wirklich passieren, kein Scherz). Also, wer Idylle sucht, Slow Living, Slow Food, Ruhe, Gelassenheit, die Hektik zu Hause lassen will, ist hier goldrichtig.

Blick über Weinstöcke zur Kirche
Wandern bedeutet nicht immer hohe Gipfel zu erklimmen. Das Hügelland hier bringt es auf maximal ca. 600m. Und das Beste daran: an den Wanderwegen integriert findet man unzählige kulinarische Hotspots. Mehr als 2 Kilometer unter Durst und Hunger wandern ist im Vulkanland nahezu unmöglich – www.spuren.at.
Apropos Handwerk, das hat hier nämlich große Tradition. Viele kleine Familienbetriebe, die über Generationen noch Wissen an Söhne und Töchter weitergeben können, weil das noch vorhanden ist, schaffen unvergleichliche echte Handwerksprodukte. Alles vollkommen individuell und nicht Massenware. Vom heimischen Holzbett (die es übrigens zu Hauf gibt und zum Verweilen in den vielen Gästehäusern einladen), bis hin zu Produkten aus Stein, und und und. Aber jetzt  ist der Hintergrundinfos genug, nun gibt‘s ein paar Tipps für einen Ausflug.
Das Zentrum des Vulkanlandes ist die Riegersburg. Die alte Burg auf dem Vulkanfelsen kann entweder zu Fuß oder per Lift erklommen werden. Tipp: am Fuße der Burg befindet sich ein Klettergarten der Familie Forstner, der zum chillen und natürlich “kraxln” einlädt. Was gibt es noch? Die Zotter-Schokoladenmanufaktur ist ein Must-See. Erleben sie die Produktion von Bio-Schokoladen vom Anfang bis zum Ende. Eines der besten und kreativsten Projekte im gesamten Vulkanland. (Geheiminfo: Sepp Zotter ist übrigens gerade dabei einen “essbaren Tiergarten” zu verwirklichen.) Wohl bekannte Essige und Brände von Gölles, sowie ein wunderbarer Kräutergarten in Kapfenstein. Schinken von Vulanco oder auch von Thaller. Wer sich eine komplette Tour für kleine bis größere Gruppen zusammenstellen lassen will, der sollte im Innovationszentrum in Auersbach Gabi Grandl besuchen.

Blick auf die Riegersburg Photo by Steindy

Mein noch junges Weinbauprojekt findet man übrigens unter www.herrenhof.net, einen First Class Handwerksbetrieb unter www.knaus.at. Das gesamte Angebot im steirischen Vulkanland inkl. Unterkunftsmöglichkeiten, welches hier den Rahmen absolut sprengt,  finden Sie unter www.vulkanland.at.

Gast-Blogger Gottfried ist auf seinem Familienweingut im Vulkanland tätig. Wissenswertes und Videos über das Weingut gibt’s auf dem Blog des Herrenhof.

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