Rasouli am Yppenplatz

16.09.2010 | Von Saritalinda
Kategorie: Café, Gast-AutorInnen, Kulinarik

Die BesitzerInnen des neuen Rasouli

Bio ist ja nicht so meins. Ich hab den Hype um Körndl, Müsli und überteuertem Gemüse noch nie wirklich was abgewinnen können, außer wenn ich mal selbst Tomaten auf meinem Balkon anbaue (soll ja in Zeiten der Krise recht sinnvoll sein). Das Image von Bio hat sich zwar in den letzten Jahren weg von Birkenstock und Zottelgewand hin zu Freitagtaschen und Boogaboo Kinderwägen gewandelt, was es aber eigentlich nur noch teurer und elitärer gemacht hat.

Der Koch beim Werken in der offenen Küche

Dass Bio aber nicht gleich Bio und auch nicht zwangsweise bobo, elitär und spießig sein muss, zeigt das Rasouli. Dort werden zwar auch Bioprodukte verwendet, aber das Label Bio steht dezent, aber sichtbar, im Hintergrund, ist kein Aushängeschild, mit dem man Leute ins neue Boboville am Yppenplatz locken will. Es ist ein selbstverständlicher Service für die Gäste, denen man nicht irgendwelche chemisch veränderten oder geschmacklosen Plastikprodukte verkaufen will.

Die offene Küche

Diejenigen, die es nicht wissen sollten, Rasouli heißt das neu übernommene Noi. Ende Juni hat die ehemalige Besitzerin ihr Lokal an ein junges, fröhliches und überaus engagiertes Paar übergeben, das jetzt nach dreiwöchiger Sanierungspause alle Türen zum Restaurant Rasouli wieder geöffnet hat. Daniela (Krois) und Firouz (Rasouli) kommen eigentlich aus dem Sozialbereich (Daniela war bis vor kurzem als Sozialarbeiterin in der Flüchtlingsbetreuung tätig, Firouz ist es noch immer), haben aber durchwegs Gastronomieerfahrung (HBLA Abschluss bzw. Ausbildung zum Kellner) und Managementqualitäten, die man als SozialarbeiterIn ohnehin mitbringen muss. Dass sie ihre sozialarbeiterischen Wurzeln nicht ganz hinter sich gelassen haben zeigt sich auf der Getränkekarte des Rasouli. Dort zu finden, das sogenannte „Fluchtachterl“ (in rot und weiß), mit dem man bei jedem Schluck „Menschen auf der Flucht“ unterstützt. Es handelt sich um eine Initiative der Caritas Eisenstadt, die in Kooperation mit der Weinbauerfamilie Schreiner aus Rust diesen Wein vertreibt, der Erlös kommt Flüchtlingen zugute. Also trinken für den guten Zweck!

Der Erlös des Fluchtachterl kommt Flüchtlingen zu Gute. Trinken für den guten Zweck, also

Was ist nun neu und was bleibt beim Alten? Auf jeden Fall positiv verändert hat sich die Atmosphäre des Lokals. Man kommt rein und fühlt sich gleich wohl -Wohnzimmeratmopshäre trifft es wohl am ehesten. Man wird auch nicht schräg von der Seite angeschaut, wenn man mal nur auf ein Gläschen und einen Plausch mit FreundInnen vorbeikommen möchte (ist heutzutage ja auch nicht mehr selbstverständlich), den BetreiberInnen geht es in erster Linie darum, dass man gerne wieder kommt, dass man sich wohlfühlt und dass man genießen kann. Und genießen kann man auf jeden Fall, denn die Küche (und in ihr die vier wunderbaren KöchInnen) leistet Unglaubliches.

Das herzstück des Rasouli ist die offene Küche

Ein besonderes Schmankerl im Lokal: die Schauküche. Lokale, die ihre schmuddeligen, kleinen Küchen verstecken gibt es zur Genüge, im Rasouli kann man einem gut gelaunten Koch/einer gut gelaunten Köchin, der/die eine unglaubliche Freude an seinem/ihren Beruf hat und jedes einzelne Essen mit einer Hingabe zubereitet und dekoriert, über die Schulter schauen, was alleine schon beim zuschauen glücklich macht (beim Essen dann noch viel mehr).

Fischküche im Rasouli
Gebratener Seesaibling mit Nußbutter, Mangold und Kartoffelkrapfen

Auch wenn Hausmannskost verwöhnte Gastrokritiker mit der Kreativität des Angebotes nicht ganz zurechtkommen mögen, ist die Speisekarte – in Bälde auch noch um einzelne Speisen aus der afghanischen Küche erweitert – meiner Meinung nach einfach unschlagbar. Alle 1-2 Wochen wechseln die Mittags- und Abendkarte, die klein und übersichtlich gehalten sind, umso mehr Arbeit fließt in die Gestaltung der Speisen. Kulinarisch und künstlerisch ein Augenschmaus!

Sehr guter, würziger und origineller Chai Tea
der Chai

Neu ist übrigens auch das Frühstücksangebot während der ganzen Woche (bisher nur am Wochenende), für alle, die mal eine Alternative zum C.I. oder AnDo Frühstück ausprobieren möchten, aber auch die Nachmittagskarte für den kleinen Hunger zwischendurch ist ein Novum.

Selbstgebackenes lässt Naschkatzen nicht zu kurz kommen

Verwendet werden stets saisonale und regionale Produkte, sowohl beim Essen als auch bei den Getränken. Das kulinarische Angebot reicht von selbst gemachter Limonade, Eistees, selbst gebackenem Brot bzw. Kuchen über eine riesengroße Bierauswahl (Bio Hanf Bier, Reisel+Bier, Hirter, Dunkles Weizen,…), Weine und Schnäpse aus Niederösterreich und dem Burgenland, bis hin zu einer kreativen Mischung aus Fisch- und Fleisch und vegetarischen Gerichten. Mein persönlicher Favorit (neben dem Fluchtachterl) ist der wunderbar würzige Chai, bei dem amerikanische Caféhausketten echt alt dagegen aussehen!

Fleischküche im Rasouli
Rindsragout mit Kräuterserviettenknödel und Balsamikozwiebel

Mein Fazit: So macht Bio Spaß! Preislich in Ordnung, geschmacklich wunderbar, freundlicher und engagierter Service, nettes Ambiente. Mögen viele, viele Leute in die Welt des Rasouli eintauchen!

Süßes, Dessert, Selbstgebackenes
Grießflammerie mit Nektarinensalat und Sesamkrokant


Rasouli: Yppenplatz / Payergasse 16, 1160 Wien
Di-Fr. 9.30-24, Sa 9-24, So 15-23
office@rasouli.at
Reservierungen bitte ausschließlich telefonisch unter: 01 403 13 47



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